Die Grünen in Kreuzberg

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Grün liegt vorn
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist der größte der zwölf Berliner Stadtbezirke und das einzige Viertel, das von den Grünen/ B90 regiert wird (Stand: 2012). Dies resultiert aber nicht aus dem jüngsten bundesweiten Boom der Partei, denn zumindest im Bezirk Kreuzberg haben Die Grünen ihren Status als Oppositions- oder Außenseiterpartei längst hinter sich gelassen: Der amtierende Bezirksbürgermeister und Grünen-Politiker Dr. Franz Schulz, hatte schon 1996 bis 2000 die Verwaltungsspitze des damals noch eigenständigen Bezirks Kreuzberg inne, und die Wähler übertrugen ihm 2006 ein zweites Mal das Amt des Bezirksbürgermeisters, nachdem Friedrichshain-Kreuzberg 5 Jahre lang PDS-regiert, und Franz Schulz beim Baustadtrat zugebracht hatte. Zuletzt, bei der Bundestagswahl 2009, lagen die Grünen/ B90 mit den Zweitstimmen von über 35 000 Einwohnern vorne, und ließen Die Linke auf dem 2. Rang, die SPD gar auf dem 3. Rang zurück – mit einem Stimmenanteil über 29, 2 %. Zwei der insgesamt fünf Bezirksstadträte im Rathaus stellen Die Grünen/ B90. Die Themen „Wohnen, Mieten und Stadtplanung“ gehören zu den als wichtig erachteten Anliegen für den 62jährigen Bezirksbürgermeister Franz Schulz. Wohlwollend nehmen die Wahlberechtigten auf, dass sich das Bezirksoberhaupt dem Top-Thema „Gentrifizierung“ annimmt, und gegen Gesetzeslücken, die für Mitpreissteigerungen und die Verdrängung der Friedrichshain-Kreuzberg-Einwohner verantwortlich sind, vorgeht und für das Recht auf bezahlbaren Wohnraum kämpft. Kulturelle Vielfalt erhalten und fördern steht, ebenso wie Chancengleichheit, ganz oben auf dem Programm.

Vielfältiger Bezirk – Heterogene Wählerschaft

Auf der insgesamt rund 20 km² großen Fläche der beiden Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg, die geographisch durch die Spree getrennt werden, verwaltungstechnisch seit 2001 zusammen gehören, leben rund 270 000 Menschen. Mit einem durchschnittlichen Alter von 36, 9 Jahren ist Friedrichshain-Kreuzberg der Bezirk mit den jüngsten Einwohnern Berlins. Was die Quote des Durchschnittsalters betrifft, ist die Wählerschaft der Grünen/ B90 im bundesweiten Vergleich ähnlich geartet und mit 38, 1 Jahren relativ jung. In einem Stadtviertel wie Berlin Friedrichshain-Kreuzberg, das vor allem für lebendige Vielfalt steht, lassen sich die Menschen jedoch nicht über einen Kamm scheren. Die Beweggründe, die den Grünen/ B90 an Wahltagen den Zuschlag beschert, sind so unterschiedlich wie die Menschen: Für die einen ist es ein Protest gegen die Regierungspartei, für die anderen ist die Partei eine Alternative, die nach Ausschlussverfahren schlicht als das geringste Übel übrig bleibt, für Atomgegner liegt es nahe, die Partei mit ihrer Stimme zu unterstützen. Dass die Friedrichshain-Kreuzberger dem Hedonismus verfallen sind, und ihre Wahl mit einer Freiheitsliebe einhergeht, hören die Wähler ebenso ungern, wie Die Grünen/ B90 die Titulierung „Volkspartei“, wirft es auch ein falsches Licht auf das politische Engagement der Wähler und der Partei.