Von der Tempelhofer Vorstadt zum Szene-Kiez

oberbaumbrücke

Die Geschichte des Berliner Ortsteils Kreuzberg reicht zurück bis ins Mittelalter. Zu dieser Zeit befand sich das Gebiet allerdings noch außerhalb der Stadt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts vergrößerte sich Berlins Stadtgebiet jedoch beträchtlich. So wurden im Jahr 1841 die Luisenstadt und 1861 die Tempelhofer Vorstadt eingemeindet. Charakteristisch für die neuen Stadtviertel war, dass man zahlreichen Plätzen und Straßen Namen von preußischen Militärführern verlieh, die während der Befreiungskriege (1813-1815) gegen den französischen Kaiser Napoleon I. gekämpft hatten. Dazu gehörten zum Beispiel die Gneisenaustraße oder der Blücherplatz. Einen wichtigen baulichen Bezugspunkt bildete zudem das Nationaldenkmal auf dem Kreuzberg, das an die Befreiungskriege erinnerte.

Zur Entstehung des Bezirks Kreuzberg kam es jedoch erst nach dem 1. Weltkrieg. So bildete man im Jahr 1920 den neuen Stadtteil aus der Tempelhofer Vorstadt, einem Großteil der Luisenstadt, der südlichen Friedrichstadt sowie der oberen Friedrichstadt. Als Namensgeber für den neuen Ortsteil diente der Kreuzberg im Viktoriapark. Nach der Gründung von Groß-Berlin, ebenfalls 1920, wurde der Bezirk jedoch zunächst Hallesches Tor genannt. Ein Jahr später erfolgte dann die Umbenennung in Kreuzberg.

Im 2. Weltkrieg kam es durch die Kriegshandlungen zu großen Zerstörungen innerhalb des Bezirks. Lediglich die Luisenstadt und die Tempelhofer Vorstadt überstanden die Kriegswirren größtenteils unbeschädigt. Dagegen versank die südliche Friedrichstadt am 3. Februar 1945 durch einen Luftangriff der US-Amerikaner fast völlig in Trümmern.

Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte die Teilung Berlins, wobei Kreuzberg dem amerikanischen Sektor zugeschlagen wurde. Durch den Bau der Mauer am 13. August 1961 wurde Kreuzberg von einem Stadtmittebezirk zu einem Randbezirk von West-Berlin. Der kleine östliche Bereich SO 36 wurde sogar von drei Seiten von der Mauer umschlossen. Wiederholt kam es an der deutsch-deutschen Grenze, bei dem Versuch aus dem östlichen Teil der Stadt zu fliehen, zu Todesopfern.

In den 70er und 80er Jahren wurde Kreuzberg zum Zentrum von Alternativbewegung und Hausbesetzerszene. Vor allem durch Krawalle zwischen den Hausbesetzern und der Polizei geriet der Ortsteil wiederholt in die Schlagzeilen. Durch den Mauerfall am 9. November 1989 wurde Berlin wieder zu einer Stadt und Kreuzberg erneut zu einem Teil der Stadtmitte.

Stark geprägt wurde Kreuzberg durch den Zuzug von zahlreichen türkischen Gastarbeitern. So sind rund ein Drittel der Kreuzberger Einwohner Migranten bzw. deren Nachkommen. Durch diese demographische Entwicklung erreichte der Ortsteil auch bundesweite Bekanntheit. Am 1. Januar 2001 vereinigte man die beiden Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg zu dem neuen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

In der heutigen Zeit erfreut sich Kreuzberg zunehmender Beliebtheit bei Touristen. Vor allem die Gegend am Schlesischen Tor wird von den Berlin-Besuchern sehr geschätzt.