Es war einmal: Kreuzbergs Krawall-Image

Der Berliner Stadtteil Kreuzberg zählt zu den bekanntesten Gegenden der deutschen Hauptstadt. Allerdings genoss er lange Zeit einen zweifelhaften Ruf als Krawall-Bezirk. Doch wie kam es zu diesem Image?

Der 1920 entstandene Bezirk Kreuzberg hatte schon immer eine bewegte Geschichte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde er durch die Teilung Berlins von einem Bezirk der Stadtmitte zu einem Westberliner Randbezirk. Nach dem Bau der Mauer im Jahr 1961 umschloss die deutsch-deutsche Grenze den Kreuzberger Ostteil von drei Seiten.
Zu ersten größeren gewalttätigen Auseinandersetzungen in Kreuzberg kam es 1968 in der Kochstraße während der so genannten Osterunruhen, die durch das Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke (1940 – 1979) ausgelöst wurden. Dabei versuchten die aufgebrachten Studenten zu verhindern, dass Zeitungen des Axel-Springer-Verlages ausgeliefert wurden.

Im Laufe der 70er Jahre wurde Kreuzberg mehr und mehr zu einem Zentrum der Hausbesetzerszene. 1980 eskalierte die Lage schließlich und es kam zur ersten großen Straßenschlacht zwischen den Hausbesetzern und der Polizei. Die zehnstündige Auseinandersetzung forderte auf beiden Seiten über 270 Verletzte. Bis 1981 wurden rund 80 Häuser besetzt. Erst nach langen Verhandlungen zwischen den verschiedenen Parteien fand die Legalisierung zahlreicher Wohnprojekte statt.

Zu einem prägenden Datum für das Krawall-Image von Kreuzberg wurde der 1. Mai 1987. An diesem Tag kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Teilnehmern der Mai-Kundgebungen. Ausgelöst wurden die Krawalle durch die Durchsuchung eines Büros von Volkszählungsgegnern im Mehringhof. Seit diesem 1. Mai 1987 kam es Jahr für Jahr in Kreuzberg erneut an diesem Tag zu Ausschreitungen zwischen der Polizei und den so genannten Autonomen, bei denen u. a. Steine geworfen, Barrikaden gebaut und Autos angezündet wurden. Zum Teil mussten einige Regionen des Stadtteils von der Polizei vorübergehend aufgegeben werden. Durch diese regelmäßigen Krawalle erhielt Kreuzberg endgültig national und international sein Image als Krawall-Bezirk. Bis heute bleibt das Phänomen der Maikrawalle ein Rätsel. Im Laufe der Jahre kam es sogar zu einem regelrechten Krawalltourismus, der hunderte von gewaltbereiten Menschen aus anderen Bundesländern anlockte.

Ging es zu Beginn der Auseinandersetzungen noch um politische Motivationen, traten diese zunehmend in den Hintergrund. Vor allem Jugendliche sahen die Krawalle als spannendes Abenteuer und Gelegenheit zur Randale. So wurden die Krawalle am 1. Mai zu einer regelrechten Tradition und fanden auch von den Medien entsprechende Resonanz. Zu den Zentren der Ausschreitungen gehörten der Lausitzer Platz, der Oranienplatz und das Kottbusser Tor.
In den letzten Jahren sind die gewalttätigen Aktionen zum 1. Mai jedoch rückläufig, was auf eine Verlagerung der Krawalle in andere deutsche Großstädte zurückgeführt wird.